Luxusbranche bleibe widerstandsfähig
Luxus im Wandel: Studie prognostiziert stabile Zukunft mit emotionaler Aufladung
Bild: shutterstock / Shopping King Louie
Trotz geopolitischer Spannungen, konjunktureller Unsicherheiten und einem veränderten Konsumverhalten bleibt die globale Luxusindustrie auf Wachstumskurs. Die neue Marktstudie von Bain & Company und Fondazione Altagamma rechnet bis 2025 mit einem weltweiten Umsatz von rund 1,44 Billionen Euro. Doch die Dynamik verschiebt sich deutlich: Statt klassischem Besitz rücken emotionale Erlebnisse, personalisierte Angebote und ein klarer Wertefokus in den Mittelpunkt. Für Juweliere und Marken in der Schmuck- und Uhrenbranche bedeutet das: Wer Relevanz behalten will, muss emotionale Bindung schaffen und die eigene Markenidentität schärfen.
Erlebnis schlägt Besitz
Die Studie spricht von einem Paradigmenwechsel. Statt demonstrativem Konsum dominieren heute Wellness, Reisen, Gourmetküche und individuelle Erlebnisse das Luxusverständnis. Besonders bei jüngeren Zielgruppen wächst das Bedürfnis nach unmittelbarer, persönlicher Exklusivität. In Zahlen zeigt sich: Während der klassische Markt für persönliche Luxusgüter (Schmuck, Uhren, Mode, Beauty) weitgehend stabil bei rund 358 Milliarden Euro bleibt, sind es Erlebnissegmente wie Hotellerie, Kreuzfahrten oder Fine Dining, die das Wachstum treiben.
Schmuck bleibt starker Treiber
Innerhalb der persönlichen Luxusgüter behauptet sich der Schmuckbereich als stärkster Wachstumsmotor, mit einem prognostizierten Plus von 4 bis 6 Prozent im Jahr 2025. Gründe sind die emotionale Bindung der Kundschaft, die anhaltende Nachfrage im oberen Preissegment und der Wunsch nach individualisierbarem Design. Auch der Uhrenmarkt zeigt eine Zweiteilung: Hochwertige Zeitmesser bleiben gefragt, während Preisdruck und regulatorische Hürden den Pre-Owned-Markt ankurbeln.
„Zukunftsfähig sind Marken, die zu einer zielgruppenspezifischen Ansprache übergehen, Trends aktiv prägen sowie Ethik, Nähe und Glaubwürdigkeit fest in ihr Wertversprechen integrieren.“Marie-Therese Marek, Bain-Partnerin und Branchenexpertin (Bild: LinkedIn / Marie-Therese Marek)
Regionales Ungleichgewicht und neue Märkte im Aufwind
Während Europa und China vor einem leichten Rückgang stehen, gelten der Nahe Osten, Südostasien, Indien und Afrika als neue Hoffnungsmärkte. Gemeinsam könnten sie laut der Studie 2025 ein Volumen von rund 45 Milliarden Euro erreichen. Die USA und Lateinamerika zeigen sich stabil, auch dank gezielter Angebotsausweitung.
Wandel der Kundenbasis
Alarmierend für die Branche: Die Zahl aktiver Luxuskäufer sank laut Studie von 400 auf 340 Millionen, während der Anteil aktiver Käuferinnen und Käufer von 60 Prozent auf unter 45 Prozent fiel. Gefragt ist nicht mehr die breite Masse, sondern gezielte Kundenbindung, Reaktivierung von Stammkunden und exakte Zielgruppenansprache, insbesondere bei jüngeren Käufern. Gleichzeitig wächst der Anteil der sogenannten „Big Spender“: Sie machen inzwischen fast die Hälfte des Marktes für persönliche Luxusgüter aus.
Profitabilität unter Druck
Trotz stabiler Umsätze leidet die Rentabilität: Die durchschnittlichen EBIT-Margen (Gewinn vor Zinsen und Steuern) sind von 23 Prozent (2012) auf erwartete 15 bis 16 Prozent (2025) gefallen. Der Margendruck zwingt Marken dazu, Prozesse zu verschlanken, ohne an Begehrlichkeit zu verlieren. Operative Exzellenz, KI-basierte Effizienz und emotional aufgeladene Markenerlebnisse werden daher laut Bain zu entscheidenden Erfolgsfaktoren der kommenden Jahre.
Fazit für die Branche
Für Juweliere und Luxusmarken heißt das: Der Markt bleibt chancenreich, aber selektiv. Gefragt sind emotionale Erlebnisse, verantwortungsvolle Markenführung und eine klare Differenzierung. Luxus wird künftig nicht nur gekauft, sondern erlebt, geteilt und hinterfragt.
Drei Keyfacts der Studie zur globalen Luxusbranche
• Der Luxusmarkt dürfte 2025 weltweit rund 1,44 Billionen Euro Umsatz erreichen.
• Konsumentinnen verlagern ihre Ausgaben zunehmend von Besitz hin zu Erlebnissen: Luxus wird emotionaler und erlebnisorientierter.
• Marken müssen Effizienz und Begehrlichkeit ausbalancieren, um in einer Phase struktureller Neuausrichtung profitabel zu bleiben.
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